
Am 22. April wurde im Rahmen der Gedenkfeiern zum 67. Jahrestag der Befreiung der NS-Konzentrationslager in der Gedenkstätte Ravensbrück eine Gedenktafel für die von den Nazis eingekerkerten und ermordeten Homosexuellen (Männer) enthüllt. Seit Jahren ist der Verein UM Queer. darum bemüht, einen würdigen Ort des Gedenkens an diese Häftlingsgruppe auch in Ravensbrück zu schaffen. Viele Spender/innen und Unterstützer/innen mussten und konnten dafür gewonnen werden. Auch die LINKE MdB Sabine Stüber gehört seit ihrer Wahl in den Deutschen Bundestag zu diesen Unterstützer/innen. Am Sonntag war sie nun bei der Enthüllung mit dabei. Vorher würdigte sie in einem Grußwort das Engagement von UM Queer e.V. um die Tafel. Sie kündigte weitere Initiativen der LINKEn Bundestagsfraktion zur Rehabilitierung von Homosexuellen an, die nach 1945 nach § 175 verurteilt wurden.
Grußwort:
Werte Anwesende!
Ein Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt. (Bertolt Brecht)
Dieses Schicksal – wirklich tot zu sein, weil niemand mehr an ihn denkt – drohte nach 1945 tausenden schwulen Männern, die von den Nazis nach § 175 verurteilt worden waren. Aber auch allen anderen verfolgten und ermordeten Homosexuellen.
Unmittelbar nach ihrem Machtantritt hatten die Faschisten begonnen, schwule Männer systematisch zu verfolgen. Die Zerstörung des Magnus-Hirschfeld-Instituts und die Verbrennung seiner wissenschaftlichen Werke stehen dafür symbolisch. Es folgte die drastische Verschärfung des Paragrafen 175 im Jahr 1934. Dieser Schandparagraf sorgte bereits zu Zeiten der Weimarer Republik für die strafrechtliche Verfolgung sexueller Handlungen unter Männern. Nun waren allerdings nicht nur die sogenannte „widernatürliche Unzucht“ unter Männern strafbar, sondern bereits Blicke und Anbahnungsversuche von Kontakten. Die Forschung spricht davon, dass über 100.000 schwule Männer polizeilich erfasst und
rund 50.000 nach diesem verschärften Paragraf 175 verurteilt wurden.
Auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges ging das Martyrium weiter. Tausende Homosexuelle schwiegen über das ihnen gegenüber verübte Unrecht. Der Paragraf galt fort, in der alten Bundesrepublik sogar in der verschärften Fassung der Nazis. Das sorgte für weitere menschenrechtsverletzende Verfolgung und Verurteilungen.
„UM-queer e.V.“ – der Verein zur Integration und Vernetzung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern in der Uckermark – arbeitet seit Jahren daran, die Toten dem Vergessen zu entreißen. Von Beginn der Initiative des seinerzeit LesBiSchwulen Netzwerks in der Uckermark beteiligt sich die Gruppe am Gedenken für die von den Nazis verfolgten und ermordeten Homosexuellen. Seit 2010 sogar mit einem eigenen Projekt „Gedenktafel für die Homosexuellen im KZ Ravensbrück“.
Heute wird die erste diesbezügliche Gedenktafel für die schwulen Männer im Männerlager des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück eingeweiht.
Eine weitere Gedenktafel für die lesbischen Frauen aller Häftlingsgruppen in Ravensbrück soll folgen. Mit ihr werden weitere Tote dem Vergessen entrissen. Das wird von Historikerinnen und Historikern als „beispielloses Vorhaben mit international herausragender Bedeutung eingestuft“ .
Ich finde es bemerkenswert, dass Sie – verehrte Mitglieder des Vereins „UM-queer e.V.“ – sich bei Ihrer Arbeit an der Umsetzung des Projektes zu keinem Zeitpunkt von Ihrem Ziel haben abbringen lassen, der wegen ihrer sexuellen Präferenz von den Nazis Verfolgten und Ermordeten zu gedenken und sich ihrer zu erinnern. Diese Toten verdienen unser aller Gedenken mit ungeteilter Aufmerksamkeit.
Ich freue mich, dass ich Ihre Arbeit im letzten Jahr unterstützen und damit ein kleines Stück zum Gelingen dessen beitragen durfte, was wir heute hier gemeinsam einweihen.
DIE LINKE. im Bundestag wird am 04. Juni in Berlin – gemeinsam mit den Fraktionen der LINKEn im Abgeordnetenhaus Berlin und dem Landtag Brandenburg – eine öffentliche wissenschaftliche Diskussion veranstalten, die sich der Rehabilitierung von Homosexuellen widmet, die nach 1945 weiterhin nach § 175 verurteilt worden sind. Meine Fraktion wird ausloten, welche politischen Möglichkeiten heute vorhanden sind, auch diese Menschen endlich zu rehabilitieren.
Denn erst wenn im „eigenen Haus“ in dieser Frage „sauber gemacht worden“ ist, wird die Bundesrepublik möglicherweise an dem Punkt angekommen sein, endlich ohne Wenn und Aber allen wegen ihrer sexuellen Identität Bedrängten auf der Welt solidarisch zur Seite stehen zu können. Dies halte ich für unverzichtbar. Dafür wird weiterhin bürgerschaftliches Engagement gefragt sein. Ein Engagement, wie Sie es mit der Umsetzung Ihres Gedenktafel-Projektes seit Jahren an den Tag legen. Dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen. Dabei will ich Sie gern weiterhin unterstützen.
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